Auf dem Dharmaweg

Ob ich auf dem Dharmaweg bin, weiß ich nicht. Ich habe ein paar Probleme, massive und weniger massive, die ich nicht habe lösen können, bis ich auf die Lehre des Buddha gestoßen bin. Diese Probleme betrafen Abhängigkeiten, Abneigungen, Ängste und auch Verdrängungen und Fehleinschätzungen. Die Lehre des Buddha verwandelt mich. Täglich mehr und immer tiefer gehend. Lange Zeit habe ich einiges an Philosophie gelesen, weil ich wissen wollte, warum die Menschen in ihrer etliche tausend Jahre währenden Kulturgeschichte nicht herausgefunden haben, was das ist, dieses Menschsein, woher diese Welt kommt, was die Seele ist, etc.. In der Buddhistischen Lehre habe ich die Antworten gefunden, die mir persönlich am realistischsten und plausibelsten erschienen, vor allem in der Lehre von der Leerheit. Zu diesen Antworten stellt die Lehre des Buddha noch ein umfangreiches Instrumentarium zur Verfügung, mit dem man sein Leben in den Griff bekommen und echte Freiheit erlangen kann. Das wirksamste Mittel, das ich bisher in diesem Kontext (eigentlich in Bezug auf jeden Kontext) kennengelernt habe, ist die stille Mediation ohne Inhalt als den dessen, was gerade gegenwärtig ist. Also: Keine Visualisierungen, Mantren, geschickten Mittel, Vergegenwärtigungen, etc.. Aber warum ist das so? Warum ist dieses Mittel so effektiv?
Der derzeitige Karmapa brachte es mal auf den Punkt. Er sagte: Es gibt nichts zu erreichen. Anhaftung und Ablehnung verzerren die Wirklichkeit. Auf einer subtileren Ebene erschaffen sie die Wirklichkeit. Wenn es gelingt, nur für wenige Augenblicke wie eine geöffnete Hand zu sein, die nichts ergreifen oder wegschieben möchte, offenbart sich das Zentrum der buddhistischen Lehre, einer jeden Religion, möchte ich meinen. Was soll ich da mit Reliquien, Stupas, Lamas und diesem ganzen Kontext, der mit meiner eigenen kulturellen Prägung nichts zu tun hat? Das ist so, als hätte der Buddha in Indien sich griechischer Gebete, Traditionen und Metaphern bedient, um den Dharma zu lehren. Die Lehre des Buddha betrifft direkt unsere Physiologie, unsere Ontologie und unsere Erscheinungswelt. Das macht sie zu einem universalen Werkzeug, bei dem die kulturelle Färbung unerheblich, ja sogar hinderlich ist und angepasst werden kann (und muss). Das lässt sich leicht daran ermessen, wie flexibel der Buddhismus Teil der jeweiligen Kultur geworden ist, in der er fußgefasst hat. Lamas, Stupas, die gesamte tibetische Bildwelt hat mit meinem Leben so wenig zu tun, dass auch die Lehre des Buddha ein Fremdkörper bleiben muss, wenn ich versuche ihn durch eine tibetische Brille betrachtet in mein Leben zu integrieren. Wenn ich aber aus meinem unmittelbarem Leben heraus versuche, die Lehre des Buddha zu verstehen, so merke ich, dass mit seine Lehre näher geht als alles andere.

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