Blut mit Blut abwaschen

 EIN LAIE: So oft ich einen Gedanken aus meinem Geist verbanne, erscheint sofort ein neuer. Und so erscheinen ohne Ende immer weitere Gedanken. Wie soll ich mit ihnen umgehen?

BANKAI: Gedanken, die sich einstellen, aus dem Geist zu verbannen, ist wie das Abwaschen von Blut mit Blut. Vielleicht gelingt es Dir das ursprüngliche Blut fortzuspülen, doch dann bist Du immer noch besudelt mit dem Blut, das Du zum Waschen benutztest. Und Du magst weiter waschen, so lange Du willst, die Blutflecken werden nie verschwinden. Da Du nicht weißt, dass Dein Geist ursprünglich ungeboren und unsterblich und ohne Verblendung ist, glaubst Du, die Gedanken besäßen Wirklichkeit, und so bleibst Du an Geburt und Tod im Lebensrad gebunden. Du musst Dir klar machen, dass Deine Gedanken flüchtig und unwirklich sind. Ohne an ihnen zu haften und ohne sie von Dir zu weisen, lass sie einfach von selbst kommen und gehen. Sie sind wie Spiegelbilder. Ein Spiegel ist strahlend klar und spiegelt alles, was vor ihm erscheint. Doch das Bild bleibt nicht im Spiegel. Der Buddha-Geist ist zehntausend mal klarer als jeder Spiegel und überdies wunderbar erleuchtend. Alle Gedanken verschwinden spurlos in sein Licht.

Quelle: Die Zen-Lehre vom Ungeborenen / Leben und Lehre des großen japanischen Zen-Meisters Bankei Eitaku (1622-1693) /Otto Wilhelm Barth Verlag, 1984, S.128

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