Wald und Wind

Heute morgen saß ich im Wald und hörte dem Wind zu. Es geht gerade ein wunderschöner leichter Wind hier, gesättigt mit Kühle und Feuchtigkeit, die den Kopf ganz klar und ruhig machen. Die Blätter bewegen sich schnell und leicht. Das Geräusch, das entsteht, ist ein sanftes und zugleich kräftiges Rauschen und Flüstern. Dieses Rauschen ist wahrscheinlich schon seit Jahrmillionen in die kollektive Erinnerung der Menschen eingegraben, wie der Blick ins Lagerfeuer, oder vielleicht sogar seit noch viel längerer Zeit. Jedenfalls reicht das Gefühl, das das Rauchen des Windes erzeugt, sehr tief hinab, dorthin, wo Sprache lange schon keine Kraft der Definition mehr findet. Am Anfang war das Wort? Das Rauschen des Windes reicht hinab zu einem ganz anderen Anfang, zu den Wurzeln, zu dem Grund und der Tiefe in der alles Zeitliche immer unschärfer und schließlich nicht lineares, ewiges Werden und Vergehen wird.

Motorenlärm, Bohrmaschinen, Flugzeuge und das undefinierbare Grundtönen von vielen Menschen vermischte sich immer wieder mit den Windgeräuschen. Es gibt immer weniger Orte auf der Welt, an denen die Anwesenheit der Menschen nicht allgegenwärtig wäre. Die Erde wird – zumindest gefühlt – immer kleiner. Zu meinem Bedauern gibt es auch keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte. Für die Phantasie waren diese weißen Bereiche wie leere Gefäße, in denen Träumen und Sehnen Ort und Form gefunden haben.

Der Lärm der Menschen ist zwar laut, reicht aber nicht so weit hinab, bleibt an der Oberfläche, trübt das Wasser, so dass der Blick in die Tiefe schwieriger geworden ist. Dabei ist der Kontakt zu dieser Tiefe wichtiger denn je. Die Wurzeln des kollektiven Unbewussten der Menschen sind mit der Totalität dieser Welt, mit den Tieren und Pflanzen, mit den Bergen, Wüsten, Meeren und Wäldern, mit den Gärten, Feldern und der Erde verbunden. Alles Sein und Tun und Werden speist sich daraus. Geht diese Verbindung verloren, oder wird sie verdeckt und verborgen unter den zerstörerischen Früchten der Zivilisationen, führt das zu einer Unersättlichkeit bei gleichzeitiger Stumpfheit und Dummheit, die für kommende Generationen viel Elend und Leid bedeuten kann und wahrscheinlich auch bedeuten wird.

Vor mir auf dem Waldboden lag ein Stück Sandstein. Etwas Tröstliches ging von diesem Stein aus. Als er entstanden ist, gab es noch keine Menschen. Und irgendwann wird es wohl auch keine Menschen mehr geben. Gut so, dachte ich, dieses Menschsein ist ein Fehler. Gut wenn sie wieder von der Erde verschwinden! Im Menschen wird aus Strahlung Licht, Form und Farbe, wird aus Wahrnehmung Erkenntnis. Das „Samsara“, dachte ich, ist des schmerz- und glückhafte Bewusstwerdungsprozess des Geistes seiner selbst. Man könnte sagen: Die Materie spiegelt sich selbst in dem, was man Leben nennt. Oder: In der Materie findet der Geist seine Form. Mit der Evolution sucht der Geist immer neue Fragen und Antworten auf das Vorhandene bis zu Freiheit und Verantwortung: Pflanzen, Tiere, Menschen.

Mir fiel eine eine alte vedische Metapher ein, die ich vor einiger Zeil mal gelesen hatte:

In den Steinen schläft Brahman.
In den Pflanzen atmet Brahman.
In den Tieren träumt Brahman.
In den Menschen erwacht Brahman.

Den Menschen macht aber nicht nur das Erwachen zu Bewusstsein und Erkenntnis aus. Das ist nur die Oberfläche. Es ist dort auch immer noch das Träumen der Tiere, das Atmen der Pflanzen, und das Schlafen der Steine zu finden, tief innen noch jenseits der Träume und doch alles durchdringend. Das ist diese tiefe Verbindung, die im Klang des Windes zu hören ist, im Geruch der feuchten Walderde, in den Rufen der Vögel, in den geschmeidigen Bewegungen einer Katze oder in der Form der Pflanzen oder der Wolkenberge am Himmel. Menschen sind mit dieser Welt zutiefst verbunden. All mein Denken, Wollen und Tun findet nur an der Oberfläche des Ozeans statt. Besser in Stille hinsetzen, bis das Wasser wieder klar wird!

Auf dem Dharmaweg

Ob ich auf dem Dharmaweg bin, weiß ich nicht. Ich habe ein paar Probleme, massive und weniger massive, die ich nicht habe lösen können, bis ich auf die Lehre des Buddha gestoßen bin. Diese Probleme betrafen Abhängigkeiten, Abneigungen, Ängste und auch Verdrängungen und Fehleinschätzungen. Die Lehre des Buddha verwandelt mich. Täglich mehr und immer tiefer gehend. Lange Zeit habe ich einiges an Philosophie gelesen, weil ich wissen wollte, warum die Menschen in ihrer etliche tausend Jahre währenden Kulturgeschichte nicht herausgefunden haben, was das ist, dieses Menschsein, woher diese Welt kommt, was die Seele ist, etc.. In der Buddhistischen Lehre habe ich die Antworten gefunden, die mir persönlich am realistischsten und plausibelsten erschienen, vor allem in der Lehre von der Leerheit. Zu diesen Antworten stellt die Lehre des Buddha noch ein umfangreiches Instrumentarium zur Verfügung, mit dem man sein Leben in den Griff bekommen und echte Freiheit erlangen kann. Das wirksamste Mittel, das ich bisher in diesem Kontext (eigentlich in Bezug auf jeden Kontext) kennengelernt habe, ist die stille Mediation ohne Inhalt als den dessen, was gerade gegenwärtig ist. Also: Keine Visualisierungen, Mantren, geschickten Mittel, Vergegenwärtigungen, etc.. Aber warum ist das so? Warum ist dieses Mittel so effektiv?
Der derzeitige Karmapa brachte es mal auf den Punkt. Er sagte: Es gibt nichts zu erreichen. Anhaftung und Ablehnung verzerren die Wirklichkeit. Auf einer subtileren Ebene erschaffen sie die Wirklichkeit. Wenn es gelingt, nur für wenige Augenblicke wie eine geöffnete Hand zu sein, die nichts ergreifen oder wegschieben möchte, offenbart sich das Zentrum der buddhistischen Lehre, einer jeden Religion, möchte ich meinen. Was soll ich da mit Reliquien, Stupas, Lamas und diesem ganzen Kontext, der mit meiner eigenen kulturellen Prägung nichts zu tun hat? Das ist so, als hätte der Buddha in Indien sich griechischer Gebete, Traditionen und Metaphern bedient, um den Dharma zu lehren. Die Lehre des Buddha betrifft direkt unsere Physiologie, unsere Ontologie und unsere Erscheinungswelt. Das macht sie zu einem universalen Werkzeug, bei dem die kulturelle Färbung unerheblich, ja sogar hinderlich ist und angepasst werden kann (und muss). Das lässt sich leicht daran ermessen, wie flexibel der Buddhismus Teil der jeweiligen Kultur geworden ist, in der er fußgefasst hat. Lamas, Stupas, die gesamte tibetische Bildwelt hat mit meinem Leben so wenig zu tun, dass auch die Lehre des Buddha ein Fremdkörper bleiben muss, wenn ich versuche ihn durch eine tibetische Brille betrachtet in mein Leben zu integrieren. Wenn ich aber aus meinem unmittelbarem Leben heraus versuche, die Lehre des Buddha zu verstehen, so merke ich, dass mit seine Lehre näher geht als alles andere.

Zum Wohle aller Wesen

Wenn man etwas ändern will oder positiv beeinflussen möchte „zum Wohle aller Wesen“, dann sollte man zumindest eine Vorstellung davon haben, was dieses Wohl ist, und wie man dahin kommt – nicht vom Ziel her gedacht, sondern in Bezug auf den Weg dorthin, der in kleinen und vielen und winzigen Schritten und Rückschritten besteht. Ich brauche die Vorstellung eines „richtigen“ Lebens, damit ich das sehe, was es gilt, abzustreifen, zu überwinden, sich dessen zu entwöhnen. Wenn ich die alten Werte nicht mehr teilen möchte, muss ich neue Werte etablieren können, wenn ich irgendwie positiv in der Gesellschaft wirken möchte. Seit meine Tochter auf der Welt ist, habe ich umso stärker das Bewusstsein dessen, dass in meiner Generation die Welt geschaffen wird, die meine Tochter von uns übernehmen wird. Es ist keine gute Welt, es ist eine abgründige Welt am Abgrund. Meine Wurzeln befinden sich im Schlamm dieses Abgrundes, von dort nehme ich Kraft, Nahrung, Sprache, Bilder und Denken. Ohne diesen Abgrund werde ich nie in der Lage sein, etwas hervorzubringen, was diesen Dreck vielleicht irgendwann einmal überwinden mag, ohne ihn zu negieren. Es klingt manchmal so, als hätten wir eine Wahl, was wir sein wollen, dabei haben nicht einmal die Wahl, welche Richtung wir dem Gegebenen geben wollen, und selbst wenn es manchmal gelingt, ist dieses Gelingen in keiner Weise unabhängig, auch wenn die Entscheidung für oder gegen dies oder das vielleicht frei erscheint. Ich bestehe unter anderem auch aus dem Grauen dieser Welt, weil ich daraus hervorgehe, weil ich Sein und Kraft und Denken daraus schöpfe. Ich finde vor, was ich bin. Und da ist zum Beispiel das Faktum, dass meine Existenz in ihrer ruhigen Beschaulichkeit, relativen Sicherheit und Behaglichkeit, auf der Arbeit und dem Leiden anderer (Tiere wie Menschen) beruht, denn meine Arbeit schafft so gut wie keinen „echten“ Gegenwert zu dem Kapital, das ich erwirtschafte. Die Bedingungen unter denen meine Nahrung produziert wird, sind Bedingungen meiner Existenz. Ich finde das Leiden, das diese Bedingungen mit sich bringt, eingeschrieben in jede Zelle meines Körpers und in jedem Wort meines Denkens. Ich „habe“ keinen „eigenen“ Geist. Ich sehe das Leiden so vieler Wesen, es ist so allumfassend. Selbst in der Schönheit und im Wohlbefinden, das ich in diesem Leben in mir vorfinde, ist dieses Leiden der anderen verborgen, alles ist durchdrungen von dieser ziellosen Mühsal. Je genauer ich hinschaue, desto deutlicher wird das. Das soll keine Klage sein, im Gegenteil. Ich nehme diese Dinge verstärkt wahr, weil ich zugleich immer mehr Momente und Situationen der Unabhängigkeit erlebe, in denen das Immer-Weiter-Wollen abnimmt und zugleich mit dieser dann eintretenden ECHTEN Ziellosigkeit kurze Momente der Freiheit aufscheinen. Umso ärger ist aus dieser Perspektive dann allerdings der Blick auf all das Zerren und Streben, Wollen und Negieren, all die Meinungen und Gegenmeinungen, all diese Ängste und Vorurteile, all dieses ständige Bedürfnis sich abzusichern, wo es keine Sicherheit geben kann. Wie kann ich Kraft, Zeit, Erfahrung und Wissen, die mir in diessem Leben zur Verfügung stehen, am effizientesten einsetzen? Ein kleiner Teil einer Antwort darauf besteht darin, die Struktur der Krankheit zu verstehen, der eigenen wie auch die der anderen.

Blut mit Blut abwaschen

 EIN LAIE: So oft ich einen Gedanken aus meinem Geist verbanne, erscheint sofort ein neuer. Und so erscheinen ohne Ende immer weitere Gedanken. Wie soll ich mit ihnen umgehen?

BANKAI: Gedanken, die sich einstellen, aus dem Geist zu verbannen, ist wie das Abwaschen von Blut mit Blut. Vielleicht gelingt es Dir das ursprüngliche Blut fortzuspülen, doch dann bist Du immer noch besudelt mit dem Blut, das Du zum Waschen benutztest. Und Du magst weiter waschen, so lange Du willst, die Blutflecken werden nie verschwinden. Da Du nicht weißt, dass Dein Geist ursprünglich ungeboren und unsterblich und ohne Verblendung ist, glaubst Du, die Gedanken besäßen Wirklichkeit, und so bleibst Du an Geburt und Tod im Lebensrad gebunden. Du musst Dir klar machen, dass Deine Gedanken flüchtig und unwirklich sind. Ohne an ihnen zu haften und ohne sie von Dir zu weisen, lass sie einfach von selbst kommen und gehen. Sie sind wie Spiegelbilder. Ein Spiegel ist strahlend klar und spiegelt alles, was vor ihm erscheint. Doch das Bild bleibt nicht im Spiegel. Der Buddha-Geist ist zehntausend mal klarer als jeder Spiegel und überdies wunderbar erleuchtend. Alle Gedanken verschwinden spurlos in sein Licht.

Quelle: Die Zen-Lehre vom Ungeborenen / Leben und Lehre des großen japanischen Zen-Meisters Bankei Eitaku (1622-1693) /Otto Wilhelm Barth Verlag, 1984, S.128

Tod

Der Tod kommt bald, er steckt uns schon in den Knochen. Und dann?
Was ist dieser Körper für ein merkwürdiges Ding! Die Empfindungen dieses Körpers sind wie Wolken im Irgendwo – durchwoben von Sprachfetzen, Intuitionen und einem seltsamen Hintergrundleuchten, das außerhalb und identisch mit den drei Welten sein mag, will ich hoffen, kleingeistig und ängstlich an die Zeit gekrallt: Möge ich ewig dauern! Nicht zu Ende gedacht habe ich diesen Gedanken, sonst würde ich ihn verwerfen. Hier zwischen „drinnen“ und „draußen“ findet „die Welt“ statt. Ursache und Wirkung in unendlichen Ketten werden kurz, sehr kurz, jetzt sichtbar wie Rauch im Licht eines Lasers, werden sichtbar, tastbar, fühlbar, riechbar, man kann sie schmecken, und Erkennen findet statt – für die Dauer eines Blitzes – sie hinterlassen leuchtende Spuren reinen, betörenden, verlockenden, wundervollen Giftes. Aus was bestünde ich sonst wenn nicht aus diesen Spuren? Als wären Empfinden und Denken etwas anders als Gifte unterschiedlichster Süße! Als wären diese Kategorien letztlich verschieden! Sie alle sind aus dem gleichen Stoff gewoben. Zerreißt dieser Stoff, zerreißt dieses Wollen, was bleibt dann als Blindheit und Fühllosigkeit, als traumloser Schlaf ohne Erwachen? Traum – Erwachen, hier – dort, süß – bitter, kurz – lang: Weg damit! Weg damit! Weg damit! Nur für einen Augenblick und in aller Deutlichkeit!

Welches Leben

Welches Leben würde man leben, würde man sich selbst nicht über Bücher, Filme und Träume das Leben suggerieren, für das zu wenig Platz oder Kraft oder Geld oder Mut zu sein scheint? Kinofilme, Computerspiele, Pornoportale. Hier träumt das kollektive Unbewusste seine Träume. Die Gewalt in diesen Träumen nimmt zu. Die Bilder und Gefühle, die einmal vielleicht die Kraft von Wirklichkeit hatten, sind bis zur völligen Redundanz millionenfach kopiert, banalisiert, offengelegt und entleert. Eine jede Öffnung, eine jede Falte, jede Wölbung, ein jedes Sekret des Körpers findet millionenfache Inszenierung. Es gibt im Sex nichts mehr, das nicht „befreit“ wäre. Auch noch in die letzte Verborgenheit, die früher eine errötende Schamhaftigkeit vor der Entwertung behütete, fällt das Licht der Kameras. In Filmen werden virtuell ganze Städte, Menschenmassen, Planeten dahingerafft. In der Zombie-Apokalypse findet die massenhafte Hinrichtung der Hungrigen, der Perspektivlosen und Triebgesteuerten ihre lustvolle Rechtfertigung. Es prasseln so viele Bildwechsel pro Sekunde auf das Auge, dass es beinahe schon an das Rauschen zufälliger Informationen heranreicht. Superhelden feiern ein comeback in immer aufwendigeren Inszenierungen, die das jährliche Bruttosozialprodukt ganzer Staaten verschlingen. Es wird viel, beinahe ausschließlich, geträumt in den Nationen der ersten Welt. Aber die Träume bringen keine Erleichterung mehr. Die Sinnesportale sind weit offen, ihre physiologischen und psychologischen Funktionsweisen sind allumfassend verfügbar, und ein jedes Sinnesportal dient den unterschiedlichsten markwirtschaftlichen Interessen als Schleuse, um manipulative Botschaften zu platzieren. Und weil ein jeder den anderen zu manipulieren versucht, um dem „zu viel“ noch ein „mehr“ hinzuzufügen, verschütten sinnentleerte Botschaften gleich Kaskaden aus Unrat und Fäkalien das Wesen, was einmal die blanke, morgendliche Schönheit der Welt voller Neugierde aufgesogen hat. Taubheit, Trägheit, Blindheit, Stumpfheit sind die Konsequenzen. Welches Leben soll man sich erträumen, wenn ein jeder Traum schon das Gift seiner massenhaften Vermarktung in sich trägt, wenn einem jeden Gefühl der schale Geruch des tausendfach ausgeschöpften Klischees anhaftet? Gäbe es mentale Bulimie: Ich würde mit Max Liebermann sagen: Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.  Der Buddhismus, wie er sich immer öfter darstellt, ist auch in vielen seiner Facetten ein solcher Traum, in Klischees erschöpft sich immer wieder seine Wirkung.

Versuch über die Buddhanatur.

Wo?

Hier und dort, weder hier noch dort, sondern diesseits von hier und dort, wie das Blatt weit entfernt an dem Baum absolut hier ist und näher noch als hier.

Wie?

Wie die zehntausend Dinge, in zehntausend Farben und zehntausend Formen. Wie alles von hier bis zum äußeren Rande des dort. Zehntausend ist bei weiten zu wenig, aber banal genug für die Vorstellung. Anders als Milliarden oder Myriaden. Das ist richtig ,aber zu wenig profan. Denn die Buddhanatur ist völlig alltäglich. Alles ist davon durchsonnt, durchströmt. Der Duft ist überall. Jede Berührung, jeder Geschmack.

Wann?

Weder Gestern noch Morgen, weder eben noch gleich, und auch jetzt ist sie nicht, dafür aber immer – um Haaresbreite (und noch unendlich dünner) noch nicht Vergangenheit und unendlich knapp nicht mehr jetzt. Dort aber sehr beständig und maximal instabil. Reine Resonanz und dass Resonanz sein kann.

Was?

Die Himmel wird sichtbar, wenn die Wolken verschwinden. Die Buddhanatur ist aber Himmel und Wolken, und dass Himmel und Wolken sind.

Die Buddhanatur ist weder Subjekt noch Objekt, ist zugleich Subjekt und Objekt und sie ist, dass Subjekt und Objekt sind. Auch das ist das gleiche. Ohne die Buddhanatur gäbe es weder Materie noch Geist. Die Buddhanatur ist, dass es etwas gibt und dass es nichts gibt. Weder bringt die Materie den Geist hervor, noch ist es umgekehrt. Beides ist, weil die Buddhanatur ist, aber dennoch bringt die Buddhanatur weder Geist noch Materie hervor, denn sie ist Geist, ist Materie, weder Geist noch Materie, zugleich Geist und Materie.

Die Buddhanatur ist Geist, ist Materie, ist weder Geist noch Materie, ist zugleich Geist und Materie und ist das, dass Geist und Materie sind. Aber das ist das gleiche.

Die Buddhanatur ist vor dem, was die Buddhanatur ist, und ist, dass es davor und dahinter gibt.

Es gibt nichts, das weiter reichen würde und ist zugleich näher, als ich für mich selbst nahe bin. Darum existiert dieses Ich nur als Inhalt einer Vorstellung, ständig verwehender Rauch, eine immerwährend im Platzen begriffene Seifenblase.

Die Buddhanatur kennt weder hier noch dort, ist aber, dass hier und dort sind und zum Erlebten werden.

Die Buddhanatur ist Bewusstsein und ist, dass Bewusstsein sich bewusst wird, und ist zugleich nie Inhalt von Bewusstheit, weil sie immer Gefäß ist. Sie ist genauer gesagt weder Gefäß noch Inhalt auch beides zusammen nicht. Dir Buddhanatur ist aber, dass Gefäß und Inhalt überhaupt sind.

Weil die Buddhanatur ist, hat der Ausdruck „etwas existiert“ einen Sinn.
Die Buddhanatur ist inflationär und man findet sie dennoch nur sehr selten und dann aber immer und überall, aber auch das nur potenziell und selten als Ahnung real. Dennoch ist das Glück nicht zu überbieten, und sei es auch nur der winzigste Bruchteil eines Augenblicks. Wiegt Berge von Reichtum auf. Aber auch das ist nur eine Seite. Glück erzeugt Unglück, nicht als Ursache aber als Begriff bringt das eine das andere hervor. Die Buddhanatur ist frei von Begriffen. Darum ist das auch alles Unsinn hier. Zeitvertreib.

Meister Dogen:

 Erst ist der Berg, dann ist der Berg nicht mehr und am Ende ist er wieder.

Demokratie und Buddhismus

Es gibt zur Zeit bei vielen Menschen eine große Affinität zum Buddhismus. Allerdings nur zu solch einem Buddhismus, der von metaphysischen Vorstellungen und Asketentum weitgehend befreit ist und dem Konsumenten, der eher nach Entspannung denn nach Erkenntnis verlangt, nicht über Gebühr beansprucht. Hier wird deutlich: Es gibt einen Punkt, an dem Aufklärung, Selbstbstimmung, Individualismus und rationales Denken, Wirklichkeit beginnt zu verbergen und nicht länger sichtbar zu machen.

Buddhismus von allen kulturellen Ausprägungen zu „reinigen“, um die ursprüngliche Lehre des Begründers Siddhartha Gotama „freizulegen“,  ist ähnlich sinnvoll wie die Physik auf Archimedes zurückführen zu wollen, und damit alles, was auf Archimedes folgte, als nicht der eigentlichen Physik zugehörig zu deuten. Der historische Buddha ist der Begründer einer Idee. Nach ihm kommen viele, die diese Idee ausgearbeitet haben. Die Psychologie, um ein Beispiel zu nennen, endet ja auch nicht mit Sigmund Freud (Und beginnt auch nicht dort). Die Geschichte des Rades endet nicht in dessen anonymen Erfinder. Der Buddhismus ist ein Feld von Entwicklungen, Bedeutungen, Deutungen, Metaphern, Betrachtungen, Philosophien, ein Feld, das längst nicht abgesteckt oder beendet ist. Sein Kern ist nicht die Lehre einer bestimmten historischen Figur sondern eine Phänomenologie, die nach wie vor Gültigkeit hat, und die ihre Tiefe, Vielschichtigkeit und praktische Vielfalt allen zu verdanken hat, die im Bereich „Erwachen  durch Erkenntnis der Leerheit“ geforscht haben. Beim Buddhismus geht es im Kern um den Weg, wie man zu einem Buddha, zu einem Erwachten werden kann. Viele Menschen vieler Kulturen und Zeiten haben unterschiedliche Wege aufgezeigt, wie man sich diesem Ziel nähern kann. Den Buddhismus auf die Lehre des historischen Buddha beschränken, hieße 2500 Jahre Forschung als ungültig oder unnötig zu deklarieren.

Der Buddhismus kann keinem demokratischen Prozess untergeordnet werden. Das geht ebenso wenig, wie man eine Naturwissenschaft demokratischen Prinzipien unterstellen kann. Warum? Weil es bei der Wissenschaft wie auch beim Buddhismus um Erkenntnis von der Beschaffenheit der Wirklichkeit geht, und die ist nun einmal nicht wählbar sondern nur zu erforschen. Alle Menschen, die sich der Erforschung des Feldes der Wirklichkeit gewidmet haben, haben Anteil an dem Gebäude des Wissens, das uns heute zur Verfügung steht. Mit Demokratie hat das nichts zu tun. Käme nun heute einer auf die Idee, Erkenntnis durch Wahl statt durch Forschung zu verifizieren, hätte unser Wissen um die Welt bald ein Ende. Das liegt daran, dass die Entscheidungsträger in der Demokratie, also die Wähler, keine Experten sind. Würde also das Wirklichkeit werden, was dem Mann auf der Strasse Wirklichkeit ist, so würden unser Bild der Welt sehr schnell sehr schlicht und holzschnittartig werden.

Eine Säkularisierung des Buddhismus von „unten“ nach „oben“ würde zu einem ähnlichen Ergebnis führen, denn die Masse der Menschen ist nun einmal auf dem Weg zum Erwachen wenig oder gar nicht fortgeschritten. Gäben nun solche den Ton an, geriete schnell in Vergessenheit, was das überhaupt ist: Erwachen. Im Buddhismus – wie in jeder Wissenschaft – braucht es Expertentum und Kompetenz nicht Demokratie.

Wenn jemand das wissenschaftliche Weltbild verändern kann, so sind es Experten nicht Parteien. Im Buddhismus ist es ebenso. Es ist eben nicht jeder ein kreativer Bodhisattva, ebenso wenig wie jeder Mensch ein Künstler ist. Es gehört bedeutend mehr dazu, ein Bodhisattva zu sein, als ein bisschen Facebook und Hingabe.

Es ist nur der ein Experte auf seinem Fachgebiet, der es komplett durchdrungen und sich so Kompetenz erworben hat. Auf den Buddhismus übertragen ist das vielleicht jemand, der den Pfad des Sehens beschritten hat, denn nur die unmittelbare Erfahrung der Leerheit befähigt einen Menschen eben diese Erfahrung angemessen an andere weiterzugeben. Um diese Erfahrung dreht sich die ganze Buddhistische Forschung der letzten 2500 Jahre. Diese Erfahrung ist allerdings kein Massenphänomen, wie wir alle wissen, weshalb auch einmal weniger Buddhismus einem demokratischen Prozess unterworfen werden kann.

Ein Buddhismus, den jeder versteht, der aller unverständlichen, mysteriösen oder mystischen Beschreibungen beraubt ist, der also bei dem Mann oder der Frau von der Straße nicht zu Unverständnis führt, ist aller Erkenntnisse beraubt, die über das Erkenntnisvermögen des Normalbürgers hinausgehen. Und damit all dessen, was das Zentrale und Wesentliche ist: Die Beschreibung der Leerheit und der Wege, die dorthin führen können. Übrig bleibt eine lebenspraktische Ethik inkl. konzentrationsförderndem Entspannungstraining, aber kein Buddhismus, keine Lehre vom Erwachen.

Säkularisation ist kein Prozess, der unhinterfragt der Unterstützung wert ist, weil er die Möglichkeit der Erkenntnis dort begrenzt, wo sie für den Normalbürger beginnt, undenkbar zu erscheinen. Der buddhistische Erkenntnisprozess erweitert aber den Raum des Denkbaren, so dass Möglichkeiten der Erkenntnis aufscheinen, die Anfangs nicht denkbar waren. Das ist in jeder Religion so. Darum ist der Bereich des Religiösen heute wichtiger denn je, weil er die Menschen unbegrenzte Erkenntnisräume lehrt. Säkularisation ist in dieser Hinsicht dem reinen Materialismus in den Naturwissenschaften ähnlich. Man findet nur das vor, was man ohnehin schon kennt. Und das ist eindeutig viel zu wenig.

Über Karma

Jemand, der in einer Höhle lebt, und sich nur von Brennnesseln ernährt, kann einer der glücklichsten Menschen auf der Welt sein, wie es zum Beispiel von Milarepa berichtet wird. Jemand, der in einem sehr feudalen Haus wohnt, in einem sehr reichen Land, in völliger Sicherheit und allem, was sein Herz begehrt, kann unter starken Depressionen und Ängsten leiden, und der unglücklichste Mensch der Welt sein. Auch die umgekehrten Fälle sind denkbar.

Die Stärke des Leidens verschiedener Menschen lässt sich nicht unbedingt an äußeren Gegebenheiten wie Reichtum oder Armut, Hunger oder Sattsein messen. Ob und wie stark ein Mensch unter einer Situation, die er vorfindet, leidet, hängt davon ab, in welchem Verhältnis er zu dieser Situation steht. Viel stärker bestimmt die jeweilige geistige Disposition, wie etwas empfunden wird. Hat jemand unter starken körperlichen Schmerzen zu leiden, hat aber einen ausgeglichenen und heiteren Geist, so werden ihn die Schmerzen nicht so stark gefangen nehmen können, er wird nicht so stark unter den Schmerzen leiden. Hat aber jemand einen sehr deprimierten, ängstlichen Geist, so können schon unbedeutende Dinge die Empfindung von großem Leiden auslösen. Darum unter anderem heißt es auch im Buddhismus: Der Geist geht allem voran.

Nun ist in der Lehre des Buddha zu lesen, dass es bei den Leiden, wie sie in den ersten beiden edlen Wahrheiten beschrieben werden, um Abhängigkeiten geht. Abhängigkeit erzeugt Leiden, Ablehnung erzeugt Leiden. Diese Leidenschaften verbergen den ungetrübten Zustand des Geistes, der in reinem Sein (Glück) besteht. Das klingt zunächst wie eine pure Behauptung. Das Gefühl, sich Unabhängigkeit erarbeitet zu haben – in welcher Situation auch immer – macht weit glücklicher, als Befriedigung in Abhängigkeit zu bekommen. Ein Alkoholiker ist glücklich, wenn er bei starkem Suchtdruck einen Schnaps bekommt. Wie viel glücklicher ist er aber, wenn es ihm gelingt, den Schnaps abzulehnen? Diese prinzipielle Struktur lässt sich auf jeden Zustand übertragen, der uns Menschen in Abhängigkeit bringt. Selbst auf die Abhängigkeit davon, existieren und nicht sterben zu wollen.  Jeder, der aber ein paar Monate regelmäßig meditiert hat, bekommt einen Vorgeschmack von diesem Zustand der allmählich größer werden Unabhängigkeit.

In der Lehre des Buddha ist weiterhin zu lesen, dass Karma Wille bedeutet, die Tat des Geistes also, die der eigentlichen Handlung vorausgeht. Der Wille ist Ausdruck des Grades von Abhängigkeit. Eine Handlung, die ich unter dem Druck der Abhängigkeit ausführe, manifestiert die Abhängigkeit. Eine Handlung, die ich gegen den Druck der Abhängigkeit ausführe, lockert die Abhängigkeit.

Ein Alkoholiker, dem es gelingt, ein Glas Schnaps abzulehnen, hat einen kleinen Sieg über die Abhängigkeit vom Schnaps errungen. Die Abhängigkeit ist etwas gelockert. Wird er aber schwach und trinkt den Schnaps, so sind all seine vorherigen Bemühungen zunichte gemacht, und die Abhängigkeit ist stärker denn je… und damit auch sein Leiden. Auch auf der Ebene des Willens gelten diese Bedingungen. Wird der Wille schwach, steigt die Abhängigkeit, ist der Wille zu gesunden stark, sinkt auch der Grad der Abhängigkeit.

Jeder kleine Sieg, den ein Abhängiger gegenüber seiner Droge erzielt, hinterlässt Spuren in seinem Bewusstsein. Langsam kann er sich emanzipieren, weil er immer mehr Erfahrungen seiner eigenen Unabhängigkeit und Stärke macht. Ebenso gilt das umgekehrte. Jeder Rückfall hinterlässt Spuren im Bewusstsein, schwächt ihn, treibt ihn weiter in die Abhängigkeit.

Die „Drogenwirkung“, die das Leben mit all seinen Facetten auf den Menschen ausübt, ist ungeheuer stark. Darum ist auch das Leiden, das daraus hervorgeht, so allumfassend. Nun gibt es Willensimpulse, die in Richtung einer Emanzipation und Befreiung von der Abhängigkeit weisen, und solche, die die Abhängigkeit zementieren und auch noch verstärken können. Im Allgemeinen findet jeder von uns eine unglaublich komplexe Gemengelage unterschiedlichster Abhängigkeiten und Dispositionen vor. Diese Abhängigkeiten bestimmen unser Verhältnis zur Wirklichkeit, und bilden somit auch die Basis dafür, ob, wie stark und unter welchen Situationen wir leiden oder nicht. Arbeitslosigkeit zum Beispiel kann für den einen eine völlige Katastrophe sein, die ihn in den Selbstmord treibt, dem anderen kann sie willkommene Befreiung und Chance zur Neuorientierung sein. Welche Abhängigkeiten machen Arbeitslosigkeit zu etwas, unter dem man leiden muss? Wie kann man sich davon befreien?

Fassen wir zusammen: jeder Willensimpuls, jede Handlung hinterlässt eine Spur im Bewusstsein und formt so das Bewusstsein. Dieses Bewusstsein bestimmt das Verhältnis zur Wirklichkeit und auf diese Weise auch die Art und Weise, wie diese Wirklichkeit wahrgenommen wird. Die Art der Wirklichkeitswahrnehmung bestimmt, ob und inwiefern wir unter diesen Wahrnehmung von Wirklichkeit leiden oder nicht. Willensimpulse, die in Richtung einer Emanzipation von Abhängigkeit gehen, führen zu einer Abnahme des Leidens. Solche, die dem Druck der Abhängigkeiten folgen, verstricken uns weiter darin und vermehren das Leiden an den Wahrnehmungen der Wirklichkeit. Es hängt also von der Form des Bewusstsein ab, ob eine Situation als leidhaft empfunden wird oder nicht.

Die unendliche Masse an Situationen, die jedem von uns im Leben begegnen, sind an sich weder leidhaft noch angenehm. Es ist wie eine rohe Masse, die in Verbindung mit unserem Bewusstsein zu Erleben wird. Wenn also zwei Menschen der gleichen Situation ausgesetzt sind, bedeutet das nicht, dass sie auch das gleiche Erleben davon haben. Wendet man das nun auf Situationen wie Kriege, Wohlstand, Armut oder auch den Holocaust an, so merkt man schnell, dass es völlig absurd ist, von kollektivem Karma zu reden.

Kollektives Karma, wenn man diesen Begriff überhaupt bemühen will, bedeutet eher, dass in einer Gesellschaft sich eine bestimmte Sichtweise auf Wirklichkeit etabliert, die von sehr vielen Mitgliedern dieser Gesellschaft geteilt und geglaubt wird. Diese Sichtweise kann dann zu kollektiven Ablehnungen und Ängsten, Zielvorstellungen und Abhängigkeiten führen. Zum Beispiel hatte sich im Nationalsozialismus eine bestimmte kollektive Wahrnehmung des Begriffes Rasse etabliert, der über viele Jahre das Verhältnis des Einzelnen zur Wirklichkeit geprägt hatte, und so die bekannten Wirkungen aus Angst, Hass, Krieg, Vernichtung, Schuld und Wut hervorgebracht. Wirklichkeitswahrnehmung, Erleben und daraus resultierende Willensimpulse bedingen sich in jedem Augenblick ständig gegenseitig, und im gesamten dann auch die Wahrnehmungen, das Erleben und die Willensimpulse der Individuen untereinander und so die ganze Gesellschaft. Wie komplex diese Bedingtheiten (abhängiges Entstehen) sind, kann man sich leicht vorstellen. Darum gilt Karma auch als stark verborgenes Phänomen: die unendliche Menge der kausalen Verknüpfungen die schon zur Gefühlslage und zur Art des Erlebens eines Einzelnen führen, macht es einfach unmöglich, mehr als nur grobe Tendenzen auszumachen. Und wie erst in  Bezug auf eine ganze Gesellschaft?

Das möge man bedenken, wenn man von „karmischer Schuld“ spricht, oder als „Begründung“ für ein Ereignis „karmische Ursachen“ heranzieht.

Nach buddhistischer Lehre ist nicht ein Ereignis die eigentliche Ursache für Unglück und Leiden, sondern Anhaftung und (Abhängigkeit) Ablehnung, die auf der Basis von Unwissenheit gegenüber diesem Ereignis entstehen. Für diese Ursachen trägt man Verantwortung, für das Ereignis selbst – wenn überhaupt – nur zum Teil. Von Schuld zu reden, wäre völlig verfehlt. Wenn ich also zum Beispiel die Arbeit verliere, mag ich daran einen gewissen Anteil haben. Allerdings ist nicht die Arbeitslosigkeit (die Situation) selbst Grund für das Leiden, das daraus entsteht, sondern mein Verhältnis zu dieser Situation. Wird jemand ausgeraubt, so ist dieses Ereignis sicher keine oder kaum Konsequenz seiner früheren Handlungen. Aber ob und wie man unter dem Verlust und dem Überfall selbst leidet, ist von dem Verhältnis zur Wirklichkeit abhängig, das man im Laufe der Zeit eingenommen hat.

Der Bewusstseinsstrom ist nichts anderes als das Verhältnis desselben zur Wirklichkeit. Und das ist die Wirklichkeit (das, was auf bestimmte Weise wirkt oder Wirkung ist – es existiert nichts als Wirkung ). Formt der Mensch das Bewusstsein, formt er die Wirklichkeit. Jede Tat, jeder Willensimpuls (Karma) formt das Bewusstsein. Aus diesem Bewusstsein geht unser Verhältnis zur Wirklichkeit hervor und prägt so wieder die Wirklichkeit und die Handlungen und Willensimpulse, die daraus hervorgehen. Das alles in jedem Augenblick, sehr vielschichtig und in Reaktion und Relation auf alles, was uns an Situationen und Wahrnehmungen von Augenblick zu Augenblick begegnet.

Weg

In der buddhistischen Geistesschulung geht man den Weg des Glücks. Alle Wesen wollen Glück erlangen und Leid vermeiden. Man sollte nicht vergessen, warum man das alles macht, sich das Hirn faltig denkt mit solchen abstrakten Dingen wie Leerheit oder Anhaftung oder stundenlang die Wand anstarrt. Das Ziel ist, glücklich zu werden.

Ein Zigarettenraucher ist glücklich, wenn er nach einem langen Flug endlich wieder eine Zigarette anzünden kann. Vorher hat er im Flugzeug unter den Entzugserscheinungen gelitten. Würde er nicht rauchen, hätte er weder das Leid des Entzuges zu dulden gehabt, noch den Genuss der ersten Zigarette mit Freude genossen.

Nun kann man sagen, ohne den Entzug, seine Abhängigkeit hätte der Raucher auch nicht das Glück der Zigarette gehabt. Ist also nur Glück in Relation zu Unglück möglich? Es scheint fast so. Das Leid des Wandels wird das im Buddhismus genannt; wir verwechseln das oft mit Glück. Es gibt aber noch eine weitere, dauerhaftere Art des Glücks. Das ist das Glück der Freiheit von Abhängigkeit. Ein Raucher muss rauchen und er muss auch die Entzugserscheinungen dulden, wenn er aus irgendwelchen Gründen nicht rauchen darf. Er hat keine Wahl. Jeder, der schon einmal geraucht hat, weiß, was es für ein befreiendes Gefühl ist, nach ca. einer Woche nicht mehr rauchen zu müssen. Diese gewonnene Autonomie ist eine Form des Glücks, die nicht mehr äußeren und inneren Bedingungen unterworfen ist. Ich muss keine Entzugserscheinungen mehr dulden, wenn ich im Flugzeug bin, ich muss auch nicht mehr Rauchen, wenn ich endlich wieder Gelegenheit dazu habe. Ich bin unabhängig von diesen Zwängen. Diese Form von Glück ist wesentlich stabiler als der kurze Genuss der ersten Zigarette nach einer Zeit der Abstinenz. Denn das erste Glücksgefühl nach den ersten Zügen an der Zigarette weicht schnell einer Ernüchterung, einer Gewöhnung, bei der das anfängliche Glück schnell einer Frustration weicht. Das Sanskrit-Wort Dukkha (Leiden) wird ja auch neben „Durst“ gerne mit dem Wort „Frustration“ übersetzt. Diese Frustration folgt fast allen Arten von „weltlichem“ Glück früher oder später. Mit „weltlichem“ Glück ist hier solches gemeint, das man auch Befriedigung eines Verlangens, Erfüllung einer Begierde, Löschen eines Durstes nennen könnte. Das merkwürdige bei dieser Art von Glück ist, dass die Erfüllung, die Befriedigung die Löschung des Durstes nur relativ kurz anhält und dann wieder einer Fühllosigkeit weicht, bis das nächste Verlangen auftaucht, das nach Befriedigung verlangt.

Wenn jemand einem diese Art von Glück streitig machen will, löst das Zorn oder Hass aus. Die Vorstellung für mehrere Stunden nicht rauchen zu dürfen, erfüllt passionierte Raucher mit Zorn und Angst. Wenn man einem Alkoholiker oder einem Junkie seinen Stoff vorenthält, werden sie in der Regel fuchsteufelswild. Abhängigkeit, Begierde bringt Hass hervor auf den oder die, welche einem das Glück vorenthalten wollen. Ein Drogenabhängiger, der seine Sucht überwunden hat, hat damit natürlich auch den Hass überwunden auf die, die ihm angeblich den Stoff streitig machen wollen.  Zudem wird er auch Mitgefühl für die empfinden, die sich noch in der Abhängigkeit befinden, denn er weiß genau, wie es sich anfühlt, wenn man in die Abhängigkeit nach einer Droge verstrickt ist.

Ein Buddha ist nun jemand, der alle Abhängigkeiten, wortwörtlich ALLE überwunden hat.

Wenn ich mir mein Leben genau anschaue, sehe ich unzählige Abhängigkeiten, unzählige „Drogen“. Die meisten bemerke ich erst, wenn ich sie nicht mehr zur Verfügung habe. Dazu gehört meine körperliche Fitness zum Beispiel. Solange sie mir zur Verfügung steht, bemerke ich meine Abhängigkeit nicht. Der Körper wird irgendwann seine Funktionen mehr und mehr einbüßen. Darunter werde ich leiden, das weiß ich. Mit Alter, Krankheit und Tod, werde ich ALLES verlieren. Alles, was mir Freude macht, wird mir so zu einer Quelle des Leidens: Der Spaziergang, das Glänzen der regenfeuchten Blätter, der wunderbare Geruch des herbstlichen Waldes, alles wird mir zum Anlass für Durst, Verlangen, für Dukkha, wenn ich all diese schönen Dinge, Gefühle und Empfindungen drohe zu verlieren.

Nicht also nur materielle Dinge gehören zu dem, was Leiden erzeugen kann, sondern schlicht alles, was kurzfristiges Glück erzeugt. Es gibt auch die Begierde nach Existenz, nicht nur von Dingen oder Empfindungen innerhalb der Existenz. Die Abhängigkeit im Sinne von Sucht durchdringt also beinahe jede Facette der Existenz.